Interview Lokalpresse Tettnang

Lesen Sie hier unser Interview mit der Lokalpresse Tettnang im April 2019.

Elisabeth Aich, Inhaberin des Schuhhauses Jung in Tettnang, über Netzkonkurrenz, Alleinstel-lungsmerkmale im Einzelhandel und einen Blick in die Glaskugel.

Die Konkurrenz schläft nicht. Einerseits von Großmärkten, die allein durch die Masse an Waren mit Kampfpreisen auf den Markt drücken, andererseits durch Angebote im Internet, das mit einer enormen Fülle von Schuhen in allen Größen, Farben und Qua-litäten rund um die Uhr lockt. Wie kann der Einzelhandel da bestehen?

Ich blicke bei all dem dennoch optimistisch in die Zukunft. Wir Einzelhändler müssen uns auf die Veränderungen einstellen, keine Frage, aber ich kann diesen Veränderungen viel Positives abgewinnen. Das Internet mit all seinen Angeboten wird den stationären Handel nicht ersetzen können, Stichwort „Empathie gibt’s nicht im App-Store“. Neben einem ausgesuchten Sortiment können wir vor allem mit Beratung durch qualifizierte Fachkräfte punkten. Gerade diese Ser-vice-Leistung wird von vielen unserer Kunden geschätzt. Es ist eben nicht damit getan, die rich-tige Größe gefunden zu haben, wenn die Freude am neuen Schuhwerk von Dauer sein soll. Unsere Zusammenarbeit mit einem Schuhmacher, aber auch unsere hauseigene Werkstatt sind da nur zwei Punkte. Daneben wird das Einkaufen bei uns, ich denke das kann man so sagen, zu einem Erlebnis in ansprechendem Ambiente. Zudem bieten wir, was Laune macht, zum Bei-spiel unser High-Heel-Training, und Informatives, beispielsweise unsere Veranstaltungen zu Kinderschuhen. Fest steht: In Hinblick auf den Handel leben wir in einem Zeitalter maximaler Transparenz. Es wird weltweit immer jemanden geben, der ein Produkt kostengünstiger anbietet. Wer wirklich nur auf den Preis achtet, wem Kundennähe und Beratung völlig egal sind und wer den Mehrwert nicht schätzt, wird kaum im Einzelhandel fündig werden.

Dann wird also dem unpersönlichen, erlebnisarmen Scroll-und-Click-Kauf ausschließ-lich kundenorientiertes Einkaufsvergnügen vor Ort entgegengesetzt?

Gar nicht. Das ist eben eine der Veränderungen, die nicht Einzelhändlers Feind sind, sondern eine große Chance bergen. Denn wir können die Vorzüge des Internets auch für uns nutzen. Ich glaube unsere Posts bei Facebook kommt draußen ganz gut an; ebenso unser Auftritt bei Insta-gram. So können wir einzelne Aktionen und Neuzugänge in unserer Angebotspalette gezielt und vor allem schnell vermarkten. Für uns ist das eine gute Möglichkeit auf unsere Leistungen und Angebote aufmerksam zu machen. Und davon mal abgesehen: eine belebte Innenstadt an einem sonnigen Tag hat ja Charme. Wie arm wäre ein Stadtkern, der nur von Leistungen lebt, die es im Internet nicht gibt?

Ihre Beiträge kommen was Reichweite, Klickzahlen und Kommentare gerade bei Fa-cebook angeht offensichtlich wirklich gut an. Was ist Ihr Patentrezept?

Ich musste mich an die eigene Sprache und an die Art und Weise, wie Inhalte gut transportiert werden können, erst gewöhnen, aber inzwischen gehört diese Plattform routinemäßig zu unse-ren Marketingdisziplinen. Und es macht mir einen Riesenspaß, mir immer wieder neue Slogans einfallen zu lassen, die maßgeschneidert zu unserem Angebot passen.

Maßgeschneidert sind ja auch Ihre Angebote für Familien. Was heißt das konkret?

Und zwar für alle Familienmitglieder, im Damen-, Herren- und natürlich auch im Kinderschuh-segment. Gerade im Kinderschuhbereich lässt sich glaube ich sehr gut sehen, was wir für Fami-lien mit Nachwuchs anbieten. Das fängt an bei der Kinderfußvermessung, reicht über individu-elle Beratung durch kompetente Fachkräfte, endet aber noch längst nicht bei kindgerechten At-traktionen, wie unserem Kinderkarussell oder unserem Fahrgeschäft-Lurchi. Im Sommer be-kommen die jüngsten Kunden zudem ein Eis zum Schuhkauf. Unser Ziel ist, dass Kunden unser Geschäft mit einem guten Gefühl und einem Lächeln verlassen.

Und selbst die Kunden, die nicht mehr in den Laden kommen können, werden bedient.

Genau. Ich gehe regelmäßig in Seniorenheime, wenn die Nachfrage besteht und auch Men-schen, die vielleicht aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr den Weg in die Karlstraße finden, müssen nicht ohne Schuhe herumlaufen. Ihnen statte ich dann mit einer passenden Auswahl einen Besuch ab, wenn das gewünscht wird. Das betrifft Damen und Herren.

Für Herren gestaltet sich der Schuhkauf ihrer Gattinnen oft recht zäh. Allein beim Wort Shopping dreht sich manchem Mann spontan der Magen um…

Auch an die Herren der Schöpfung haben wir bei unserer Geschäftsmodernisierung 2016 ge-dacht. Sie müssen zu allererst einmal nicht mehr in den ersten Stock hoch, sondern werden par-terre fündig. Punkt 1. Punkt 2: Wenn es nicht um sie selbst geht, sondern darum, die Wartezeit zu überbrücken, die ihre Damen für die Auswahl der richtigen Schuhe oder Accessoires benöti-gen, bietet sich unser Loungebereich an. Hier stehen ein gemütliches Sofa und Lesestoff von der SZ bis zur Motorradzeitschrift bereit. Außerdem gibt’s freien Internetzugang und einen Kaffee noch obendrauf. Ich denke, so kann er die Shoppingtour von ihr sehr gut überstehen.

Das heißt, die Zeit der Ausreden für die Herrenwelt ist vorbei. Andere Kunden trauen sich oft nicht in den Laden, weil sie das Gefühl haben etwas kaufen zu müssen.

Auch diese Zeiten sind vorbei. Wir freuen uns über jeden Kunden, der zu uns kommt und sich vielleicht nur mal informieren will über aktuelle Trends – Informationen aus erster Hand im Ge-spräch mit unserem Fachpersonal. Auch das gibt es nicht im Internet.

Kontakt - Anfahrt - Öffnungzeiten

Schuhhaus Jung

Karlstraße 24-26
88069 Tettnang

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